„Dialektik der Inklusion“ von Wocken

Das Buch „Dialektik der Inklusion“ lag schon einige Tage auf meinem Schreibtisch und ich konnte mich nicht überwinden es zu lesen. Warum eigentlich? Wahrscheinlich lag es an den sehr theoretisch klingenden Fremdwörtern, die ich eher der Philosophie zugeordnet hätte und mich vermuten liessen, dass es sich um keine leichte Lektüre handelt. Jetzt habe ich einige (Unter-)Kapitel gelesen und bin positiv überrascht. Trotz der vielen Begriffe, die ich im Fremdwörterbuch nachschauen musste, sind die Texte in diesem Buch gut verständlich, u.a. durch die Abbildungen und den Bezug zu konkreten Situationen. Wocken bringt seine Theorie sehr überzeugend rüber. Vor allem die Stellungnahmen anderer Autorinnen und Autoren haben dazu geführt, dass ich seine Argumentation doch noch etwas kritischer betrachte. 

Hier eine kurze Zusammenfassung:

„Alles Pädagogische und alle Inklusion sind von Ambivalenzen, Widersprüchen und Paradoxien durchwirkt.“ Dieser Satz stellt zusammen mit dem Aufsatz von Reiser et al. (1984) „Integration als Prozess“ den Ausgangspunkt von Wockens Gedanken in diesem Werk dar. Wocken sieht in der Dialektik eine Methode, um die Widersprüchlichkeit inklusiver Strukturen, Prozesse, Verhältnisse und Praktiken zu verstehen und abzubilden.

Wocken beginnt mit Kant und dessen Vorstellung von Erziehung als ein dialektisches Spannungsverhältnis von Freiheit und Zwang. Er zeigt, dass dialektisches Denken in der Pädagogik schon lange angewendet wird und dass dialektische Momente in der Theorie von bedeutenden Pädagogen zu finden sind. Wocken stellt die dialektischen Momente in der Pädagogik von z.B. Schleiermacher, Piaget und Klafki vor. Dieser Teil dient der geschichtlichen Grundlage der „Dialektik der Inklusion“ und der Metatheorie der Antinomien (Widersprüche zwei gleich gültigen Urteilen) und Dilemmata (Wahl zwischen zwei Übeln).

Mit der Methode der dialektischen Wertequadrate, die übrigens gut verständlich ist, will Wocken Spannungsverhältnisse und die Bedeutung der Balance bei inklusiven Prozessen und Situationen aufzeigen. In den Wertequadraten stehen sich z.B. gemeinsames und individuelles Lernen gegenüber. Ausschliesslich gemeinsames Lernen würde zu gleichem Lernen für alle führen und ausschliesslich individualisiertes Lernen würde zu isoliertem Lernen führen. Für den inklusiven Unterricht ist die richtige Balance entscheidend. Die Kapitel sind sorgfältig aufeinander abgestimmt und die Autorinnen und Autoren nehmen Bezug zueinander. Z.B. hinterfragt Andreas Hinz die Theorie integrativer Prozesse kritisch und ergänzt sie um die Theorie des Partnerismus.

DIALEKTIK der Inklusion
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